Montag, 4. Januar 2016

Rettung in der Not: Ohr abgerissen bei Verladedrama

Larissa verlädt zwei Pferde auf einmal und passend dazu ein neues Fallbeispiel
Zwar ist der folgende Blogeintrag wieder im Januar 2014 im täglichen Blog der 12 Oaks Ranch erschienen, jedoch möchte ich ihm heute aktuelle Gedanken voraus schicken. Folgender TV-Bericht hat bei Facebook dieser Tage für Diskussionen gesorgt:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_nordstory/Der-Mann-der-die-Pferde-versteht,dienordstory468.html

Ich bin ja wirklich ein sehr großer Freund von umgekehrter Psychologie und partnerschaftlichem Denken dem Pferd gegenüber (siehe auch Blogeintrag weiter unten vom 2.1.), aber ich hatte da bereits erwähnt, dass immer nur Nett-Sein eben auch nicht IMMER zum Ziel führt: Da ein Pferd einerseits eine klare Führung braucht, um sich als Fluchttier sicher fühlen zu können und andererseits das Pferd keine Gefahr für die Allgemeinheit werden darf, brauchen wir eben auch Leadership und dann sieht nicht alles immer nur schön aus (mit unserem eigenen Nachwuchs kracht es in der Pubertät ja auch schon mal). 
Bei Pferden ist es so, dass sie unter zwei Voraussetzungen durchaus auch Druck vertragen: Wenn sie wissen, was sie tun sollen und wenn ihr Gegenüber keine aggressiven, wütenden oder frustrierten Emotionen empfindet. 
Der Mann, um den es in dem Video geht, hat uns einmal bei einem Pferd geholfen, das wirklich gefährlich war und durch seinen tatkräftigen Einsatz wurde dem Pferd das Leben gerettet, denn es hieß: Entweder geht es auf den Hänger oder es kommt zum Schlachter. Hier ein weiterer Januar-2015-Blogeintrag:



Jetzt schreibe ich mal was über Problempferde oder besser über Problemmenschen. Egal - es gibt ja auch gute Menschen, denen etwas nicht gelingt und es gibt auch Trainer, die viel können, aber nicht alles: Ich zum Beispiel. Wenn jemand sich bei mir meldet mit Zeit für Bodenarbeit, wo man sagen kann: It takes the time it takes, DANN bin ich sofort am Start. So sollte es ja auch sein: Erst Bodenarbeit, dann Verladen sozusagen als Endziel. Aber manchmal muss es eben schnell gehen. Einmal z.B. hatte eine Freundin mir von einem Tierschutzpferd berichtet, was schnell von einem Hof weg musste.  Das Pferd war quasi auf der Weide alt geworden zusammen mit einem anderen Tierschutzpferd. Jetzt war der Bauer, wo die beiden standen, schwer krank geworden und er sagte: "Wenn die Pferde nicht schnell weg sind, müssen sie zum Schlachter". Es war also dringend: Keine Zeit zum Üben. Mit dem Pferd war nichts gemacht worden - absolut nichts ... sein Leben lang. Die Pferde ließen sich erwartungsgemäß nicht verladen. Woher auch? Man versucht es in solchen Fällen, wo es um Leben und Tod geht,  natürlich trotzdem: Für den Besitzer und Tierschützer endete das mit einem abgerissenen Ohr im Rettungshubschrauber. Wir haben daraufhin hinterher versucht, diese beiden Riesenstuten (eines davon ein Kaltblut) vom Hof zu führen zu einem Hof etwa eine halbe Stunde Fußweg entfernt. Aber die Stuten waren nicht wirklich halfterführig. Das war mir zu riskant und es geht ja nicht um Heldentum. Ich habe also rumgefragt bei befreundeten Trainern: Erst eine Absage bekommen, weil auch dieser befreundete Trainer sagte: "Wenn man vorher keine Bodenarbeit machen kann, dann hat das keinen Sinn." Verständlich, aber es ging halt um Leben und Tod.
Dann endlich Glück im Unglück: Uwe Weinzierl, der eigentlich in Berlin wohnt, war relativ in der Nähe bei einem Kurs .... und der kann das auch bei einem kaum halfterführigen Pferd. Seine Bedingung war, dass er das alleine macht. Ich war stolz wie Oskar, als ich ihm an einer Stelle dann doch helfen durfte - das war mir wirklich eine Ehre. Aber was ist die Moral von der Geschicht?
Nur weil ich es nicht kann, muss das ja nicht heißen, dass nicht ein anderer mehr Erfolg hat und daher: Wenn ich zu einem Pferd zum Unterricht gerufen werde, das wirklich schwierig ist, sage ich immer. Wir können das 1, 2 mal versuchen, aber wenn dann keine Fortschritte kommen, dann ist es klüger sich an einen Parelli-Instruktor zu wenden, denn die haben bei Parelli selbst gelernt.

Na ja, Uwe ist kein Instruktor, hat das wohl von Videos gelernt, die vor 20 Jahren im Parelli-Programm erschienen sind. Das Programm hat sich weiterentwickelt, ist feiner geworden, berücksichtigt jetzt auch Horsenalitys usw. aber mal ganz ehrlich: Wer traut sich schon, solch ein Pferd zu verladen? Und abgesehen vom Trauen: Man muss so etwas ja auch überhaupt erstmal schaffen und Uwe Weinzierl hatte das Pferd binnen 20 Minuten im Hänger - also ich persönlich ziehe davor den Hut und hänge mich nicht an Kleinigkeiten auf, dass einem auch schon mal die Luft ausgeht beim Pferd "schicken" (ich bin ebenfalls über 50, das geht bei mir auch schnell) oder dass so eine Aktion an einem heißen Tag stattfindet (vermutlich ging es schneller, weil das Pferd dann vorher, keine Lust mehr zu laufen hat). Der Punkt beim Pferd im Video war ja nicht, dass es nicht halfterführig war, sondern sich das Halfter gar nicht erst anziehen ließ. Somit: Chapeau. 

Unser Lucky, der mittlerweile mit uns als Turnierpferd durch die Lande zieht, hat sich übrigens auch immer sehr gegen das Verladen gesträubt, sich einmal rückwärts im Hänger überschlagen und, und, und .... Mittlerweile sieht das so aus:


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