Dienstag, 12. Januar 2016

Hand in Hand mit dem Neutral: Die Phase 4

Wie man es vermeidet, zum Dauernörgler zu werden ....Vor zwei Jahren hatte ich einen Friesenwallach im Kundenkreis, der sogar mal aus einem Stall geflogen ist, weil er unhändelbar war. Ich war einmal im Monat bei der Kundin und wir kamen einfach nicht wirklich voran. Am Ende der Stunde hatte ich immer Hofffnung und wenn ich die beiden wiedersah, begannen wir jedes Mal ganz von vorne. Bis sich heraus stellte, dass die Besitzerin all die Jahre immer nur die Phasen 1 und 2 benutzt hatte - egal, was das Pferd gemacht hat - immer nur feine Phasen, nie etwas durchgesetzt. Begründung: Sie wolle doch, dass ihr Pferd auf ganz feine Phasen reagiert. Nur das Pferd reagierte nicht - kein bißchen, weil es seine Besitzerin nicht ernst nahm. Am Ende jeder Stunde hatte ich mir etwas Respekt verdient, der in dem folgenden Monat immer wieder verloren ging. Fazit: Bei einem System muss man sagen: Ganz oder gar nicht. Man kann bei einer Fremdsprache ja auch nicht die Vokale weglassen. Wie hart die Phase 4 ausfällt, hängt vom jeweiligen Pferd ab, denn sie muss  lediglich zu einem Ergebnis führen, also effektiv sein: Bei manchen Pferden braucht es in der Tat nur sehr, sehr wenig dafür, aber das ist nun mal die Entscheidung des Pferdes, bei welcher Phase, der Druck aufhört. ABER: Die Phase 4 gibt dem Pferd etwas zurück: Das Neutral. Wir können völlig passiv sein und geben Verantwortung ans Pferd ab.
In meinem Lieblingsblog der Parelli-Instruktorin Sylvia Aigner findet ihr einen Artikel zur Phase 4: 

http://parellispirit.blogspot.de/2012/05/phase-4-oder-gewalt.html

Man sollte sich auch überlegen, was denn die Alternative zur gelegentlichen und immer seltener werdenden Phase 4 sind, die ja auch mit der Zeit an Intensität verliert:

1. Man fliegt aus dem Stall, weil das Pferd nicht händelbar ist
2. Man lebt gefährlich, falls sich das Pferd überlegt, sich todesmutig auf die Autobahn zu schmeißen.
3. Man wird zum total nervigen Dauernörgler fürs Pferd. Ein Beispiel: Der Reiter sitzt schweißgebadet auf dem Pferd, klopft und klopft und treibt und treibt und das Pferd schleicht dennoch im Schneckentempo herum. Keiner von beiden ist glücklich mit der Situation.

Deswegen lieber einmal richtig (und emotionslos) Bescheid sagen und das Pferd dann aber auch in Ruhe lassen, quasi: Dem Pferd Verantwortung geben und diese auch einfordern. Im Berufsleben ein völlig normales und allseits anerkanntes Vorgehen.

Unser Cisco ist auch so ein Typ, wenn der merkt, dass man vor einer Phase 4 zurückschreckt (möglicherweise gut gemeint, aus Angst dem Pferd weh zu tun), aber dann lässt er die Leute am ausgestrecktem Arm verhungern. Wenn man hingegen seinen Respekt hat, dann gibt er alles: Sogar mit viel Freude: Wenn ich auf der Weide bin, stalkt er mich regelrecht und rennt auf Schritt und Tritt hinter mir her: Pferde sind halt wirklich natürliche Follower.

Hier unsere Liberty-Parelli-Audition, die wir mit der Note 3++ bestanden haben, also ganz nah dran am Level 4, den höchsten prüfbaren Level - eine Geschichte aus Ciscos Nähkästchen kommt übrigens morgen im Blog:


Bei Fancy ist es genau andersherum: Sie testet ihre Reiter auch, aber eher, um zu fragen, ob sie sich auf den Menschen noch verlassen kann. Wenn der Mensch sich zögerlich verhält, dann kauft sie ihm einfach nicht ab, dass er sie vorm Tiger beschützen kann. Gerade auf Turnieren hat Fancy daher die Neigung entweder Erste oder Letzte zu werden - je nachdem, wie sicher sie sich fühlt:





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