Freitag, 30. Juni 2017

Hat das Mustang Makeover womöglich das Rad neu erfunden?

Gestern habe ich mich ja in Videobeispielen von Clinton Anderson darüber ausgelassen, dass man beim MMO über Blick in die Glaskugel erkennen will, WIE die Pferde im Vorfeld trainiert wurden: Das MMO im Kampf gegen das Grundgesetz

Heute (am 29.6.17) habe ich auf der MMO-Seite die Prüfungskriterien entdeckt und lese: "Das MUSTANG MAKEOVER möchte Grenzen öffnen und neue Maßstäbe in der Bewertung von Wettbewerben setzen."
Dort ist zu lesen: "Der Begriff Pflichtprüfungen wurde verwendet, um deutlich zu machen, dass diese absolviert werden müssen, um am großen Finale teilzunehmen. Der Begriff Pflicht bedeutet nicht, dass die Aufgaben perfekt ausgeführt werden müssen."

Queenie mußte letztes Wochenende nicht korrekt laufen, weil 1. Turnier für sie
Was glaubt der Veranstalter denn, wie das auf normalen Turnieren ist? Wenn man etwas perfekt schafft, dann ist man Deutscher Meister und um Deutscher Meister zu werden, muss der Reiter sich erstmal drei Jahre lang durch mehrere Leistungsklassen hochreiten, um überhaupt an einer Meisterschaft teilnehmen zu dürfen und da hat man dann z.T. knapp 100 Konkurrenten.
Das Pferd muss ebenfalls jahrelang ausgebildet werden: Bei der EWU z.B. sind die Jungpferde ein Jahr unterm Sattel, bevor sie auf Turnieren vorgestellt werden dürfen (4-jährig). Im Alter zwischen 0-3 Jahren werden sie selbstverständlich am Boden bereits auf ihr Leben als Reitpferd vorbereitet (angefangen vom Vertrauensaufbau, Hufe geben bis zum Muskelaufbau am Boden, bevor sich da ein Reiter drauf setzt). Wenn also das MMO neue Standards setzt, ist dass dann so, dass das, wofür man sich auf regulären Turnieren Jahre Zeit lässt, jetzt in drei Monaten durchgepeitscht werden soll? Der Faktor Zeit ist nämlich der einzige Unterschied, der sofort ins Auge fällt. Das Mustang Makeover schreibt sich m.E. angebliche Neuheiten auf die Fahnen, die bei jedem anderen Turnier bereits Standard sind. Coole Geschäftsidee - sollte ich vielleicht auch mal versuchen: Auf den Markt gehen und als Marktschreier rufen: "Ich habe eine Alternative zur Kutsche gefunden. Nehmt doch einfach das Auto." Mir fallen nur zwei Erklärungen ein, warum so für das Spektakel im August geworben ist: Entweder kennt der Veranstalter sich im Turniersport nicht aus oder es ist einfach ein höchst aggressives Marketing, um auf Kosten der regulären Turnierreiter das eigene Event zu vermarkten.
Ich zitiere noch einmal aus obiger Website, wonach den Pferden die Möglichkeit gegeben werden soll, weitere Ausbildungsschritte zu machen, zu lernen und sich zu entwickeln. Zitat: "Das geht (..) nur, wenn wir Regeln erweitern und den Trainern Möglichkeiten bieten, individuell auf die Bedürfnisse ihres Schützlings einzugehen."

Also unser eigener sechsjähriger "Schützling" Queenie hatte am Wochenende auch sein erstes stinknormales Turnier. Dabei hatten wir ebenfalls die Wahl, dieses ganz individuell zu gestalten: Wir hätten sie vierjährig bzw. fünfjährig in Jungpferdeprüfungen starten können mit ultraleichten Pattern, hatten aber seinerzeit keinen Platz im Hänger frei, weil in den letzten beiden Jahren immer Lucky und Fancy mit auf den Turnieren waren.
Der Veranstalter der Null-Acht-Fuffzehn-Turniers-ohne-Mustangs hat uns aber deswegen letztes Wochenende nicht ätschi-bätsch weg geschickt, sondern wir hatten auch mit einem sechsjährigen Pferd noch jede Menge Wahlmöglichkeiten. Man darf ja sogar mit einem zwanzigjährigen Pferd an einer Greenhorse-Prüfung teilnehmen, wenn es turnierunerfahren ist. Und dann kann man noch wählen zwischen den diversen Disziplinen. Reining, Westernriding und Superhorse haben wir weg gelassen und dafür das gewählt, was das Pferd auf keinen Fall überfordert: Showmanship, Horsemanship, Pleasure, Trail und Ranchriding und dann auch nicht gleich ein AQ-Turnier, sondern für den Anfang ein C-Turnier gewählt, wo die Pattern leichter sind.

Die Ranchriding haben wir sogar spontan weg gelassen, als wir merkten, dass es unserem "Schützling" zu viel wurde (nicht die Prüfungen, das Warten zwischendurch passte ihr nicht). Ich habe sie dann einfach mittags nach Hause gefahren und Lucky ist die genannte Ranchriding gegangen. Man hätte auch die 13,50 Euro pro Prüfung zahlen und gar nicht starten dürfen - auch fürs spontan nicht antreten wird auf regulären Turnieren niemand erschossen.
Auch was ein Reiter in der Prüfung macht oder nicht macht, entscheidet er immer noch selbst: In der Pleasure hatte Queenie den Kopf hoch genommen und wurde relativ schnell. Klar hätte meine Tochter Larissa das durchsetzen können, dass sie nachgibt und langsamer läuft. Aber sie hat entschieden, das Pferd in Ruhe zu lassen und niemand hat sie deswegen schräg angesehen. Macht man doch gerne: Eine Pleasure nennen, damit sich das Pferd die Halle ansehen kann, während es nichts weiter tut, als im Kreis zu laufen. Und wenn es das im Affenzahn macht, gibt es eben keine Schleife - na und? Fazit: Wo bitte ist jetzt der Unterschied vom MMO zu normalen Turnieren?

Ich zitiere noch mal: "Wir müssen natürlich einen Prüfungsablauf vorbereiten, denn sonst können wir die Teams nicht miteinander vergleichen oder bewerten. Alle Prüfungen werden sowohl in der A-Note (Schwierigkeitsgrad) und der B-Note (Ausführung) bewertet. Einen Zusatzpunkt kann der Trainer je Aufgabe erhalten, wenn er sie für sein Pferd gut gelöst hat." Was gut gelöst ist, erfahren wir leider nicht. Also ihr dürft mich schlagen, aber ich finde beim besten Willen den Unterschied zum regulären Turniersport nicht, außer den, dass man im Regelbuch des 08/15-Turniers auf über 150 Seiten nachlesen kann, was man unter "gut gelöst" zu verstehen hat.

Nehmen wir zum Vergleich mal den Trail als Beispiel für eine gescorte Disziplin, bei der das Pferd-Reiter-Paar  mit 70 Punkten in die Prüfung geht. Wird die Aufgabe harmonisch gelöst, bekommt man pro Aufgabe eine "Null", ist es ein erhöhter Schwierigkeitsgrad und immer noch harmonisch, bekommt man + 0,5 oder + 1 oder + 1,5. Je harmonischer desto mehr Plus und wofür es Plus gibt, kann man nachlesen: Der durchhängende Zügel und unsichtbare Hilfen sind da nur zwei Beispiele. Ist es unharmonisch dann - 0,5 bei ein bisschen unharmonisch, - 1 bei unharmonisch und 1,5, wenn es furchtbar aussah: Ständiges Schweif schlagen, permanentes Maul aufreißen, abgehackte, mechanische Schritte sind weitere Beispiele, die im Regelbuch aufgelistet werden.  Außerdem kann es noch Penaltys geben: Einen Strafpunkt gibt es, wenn das Pferd im Trail eine Stange anstößt und mehr wenn man das Tor loslassen musste oder wenn das Pferd den Gehorsam verweigert. Zusammenfassen lässt sich das 08-15-Regelbuch wohl unter dem Begriff "Harmonie". Aber das Mustang Makeover scheint das Rad nach eigenen Aussagen wohl neu erfunden zu haben, denn nur beim Mustang Makeover geht es angeblich um "gegenseitiges Vertrauen, spürbare Harmonie zwischen Pferd und Reiter, Fair Play und Respekt des Trainers dem Pferd gegenüber, alle drei Grundgangarten" und - wie innovativ: Die Pferde müssen nicht geritten werden. Was bin ich froh, dass es im echten Turniersport echte und einsehbare Kriterien dafür gibt, was harmonisch aussieht und was nicht (siehe auch Buchausschnitt am Ende dieses Blogbeitrags) und ich da nicht vom "Gespür" eines amerikanischen Juroren abhängig bin (hat der eigentlich eine Richterausbildung?)
Es darf auch mal eine Prüfung am Boden sein:
Outfit für Showmanship at halter / Schleife WHS

Wenn ich mitten in einer Prüfung dem Pferd zuliebe absteige, dann werde ich immer noch nicht erschossen, sondern kriege ganz einfach nur einen Nullscore, ohne deswegen schief angesehen zu werden. Meistens werde ich noch nicht einmal aus der Arena geschickt, sondern darf den Parcours zuende absolvieren bzw. dem Pferd das Hindernis zu Fuß zeigen, wovor es sich ängstigt. Beim landläufigen Westernverband kann ich mich aber auch von Vorneherein für eine Prüfung entscheiden, wo der Parcours  Zu-Fuß absolviert wird. Ist für den Richter auch leichter, der dann keine Äpfel mit Birnen vergleichen muss: Trail an der Hand oder Showmanship at halter z.B. - wer hätte das von den bösen Turnierreitern gedacht?
Jetzt wird der Trainer, der beim so pferdefreundlichen MMO in einer ursprünglichen Reitprüfung absteigt beim MMO zwar nicht disqualifiziert, aber ins Finale kommt er wohl auch nicht mehr, weil jeder, der reitet, drei Bonuspunkte schon dafür bekommt, dass er geritten ist - anscheinend egal wie er geritten ist. Das soll eine Verbesserung sein? Nun dürfen die Trainer beim MMO bei jeder Aufgabe Schwierigkeitsgrade von leicht bis schwer wählen und erhalten Plus für den Schwierigkeitsgrad - wie viel Plus das ist, war leider nicht ersichtlich. Haben wir endlich einen Unterschied zum regulären Turniersport gefunden?
Ob die Mustangs über Nacht auch wie Batman aussehen,
damit die Zöpfchen sich nicht lösen? 
Leider nein, denn die Wahl zwischen leichten und schweren Prüfungen ist auch im regulären Sport so gar kein Novum, denn wir konnten am Wochenende auch entscheiden, ob wir einen Greenhorse-Trail nennen oder die Sonderprüfung Ranchtrail oder wie wir es gemacht haben von Anfang an eine Leistungsklasse-1-Prüfung, weil das Pferd ja schon drei Jahre unterm Sattel ist. Trotz reichlicher Trailerfahrung auf dem heimischen Reitplatz und Larissa Beteuerung, dass Queenie Galoppstangen mit links schafft, ist Folgendes passiert: Queenie hat über dem Galopphindernis so viel Fahrt aufgenommen, dass sie fast an einem Hindernis vorbei galoppiert ist, durfte aber rückwärts gerichtet werden (hat die Richterin Larissa extra zugerufen, weil sie wusste, es ist das erste Mal fürs Pferd) und auf Umwegen ins nächste Hindernis einparken, hat dafür sogar statt Nullscore für ein zusätzliches Manöver nur einen Punkt Abzug in der Wertnote plus Penaltys bekommen. Wenn meine Tochter Larissa nicht auch noch rechts und links bei der später folgenden Drehung verwechselt hätte, wäre es sogar noch ein wertungsfähiger Ritt geworden. Aber bei menschlichen Fehlern ist dann auch die Geduld einer sehr netten Richterin irgendwann überstrapaziert. Ich nehme aber jetzt einfach mal an, dass Mustangs so besonders sind, dass solche Pannen mit denen nicht passieren, weil die sind ja so menschenbezogen (noch menschenbezogener als Queenie will ich aber gar nicht. Das ist ja so schon lästig, wenn die einen auf Schritt und Tritt verfolgt). Oder aber man unterstellt uns aufgrund dieses Hindernis verfehlens jetzt, wir hätten dem Pferd im Vorfeld des Turniers irgend etwas Schlimmes angetan. Ihr wisst schon: die MMO-Glaskugel aus dem Blogbeitrag gestern, weil die ja hellsehen können.

Das Mustang Makeover schreibt, das jedes Pferd individuell gesehen werden soll und man es weder unter- noch überfordern sollte. Danke Mustang Makeover, dass Du uns darauf aufmerksam machst. Das haben wir vorher wirklich nicht einmal ansatzweise erahnt, dass man darauf Rücksicht nehmen sollte - wir tierquälenden Turnierreiter.

Nun aber zu den Aufgaben, die man auf obiger Seite findet. Auch das ist fast identisch mit einer 08/15-Jungpferdeprüfung: alle drei Grundgangarten, Hinterhandwendungen und Seitwärts - genau wie beim MMO, nur eben mit einer Vorlaufzeit von drei statt zwölf Monaten, die auf normalen Turnieren üblich sind. Ist das wirklich das Ziel des MMO, die Trainingszeit von jungen Pferden auf ein Viertel zu verkürzen? Denn das ist beim besten Willen - abgesehen von der mangelnden Transparenz - der erste Unterschied, der wirklich ins Auge fällt.

Am Vortag: Stippvisite, um dem Pferd das Gelände zu zeigen
Aber die kurze Ausbildungszeit ist ja halb so wild, denn das Pferd muss nach wenigen Wochen unterm Sattel zwar ein Turnier gehen, aber das Mustang Makeover ist ja im Gegensatz zum normalen Turnier so nett, keine Perfektion zu erwarten, denn man schreibt: "Hier geht es nicht um die korrekte Ausführung einzelner Aufgaben ....." Also unser Jungpferd ist jetzt drei Jahre unter dem Sattel und hat weiß Gott nicht alles korrekt ausgeführt, aber in der Westernhorsemanship hat sie trotz kurzfristigem Außengalopp ein Schleifchen bekommen und wenn ich mir reguläre Jungpferdeprüfungen für 4-5jährige anschaue (wohlgemerkt: ein bis zwei Jahre unterm Sattel), kann von korrekter Ausführung oft genug ebenfalls keine Rede sein. Der Eine, der es halbwegs korrekt schafft, der gewinnt halt und alle anderen sind auf zweiten, dritten .. sechsten Plätzen oder gar nicht platziert - was soll's? Ich war auch schon Letzte und habe mein Pferd trotzdem gelobt.

Aber nun erwähnt das MMO auch noch das Thema Nachgiebigkeit, denn es heißt weiter: Hier geht es nicht um Korrektheit, "sondern darum zu sehen, ob die Pferde nachgiebig sind, auf Druck /  Anfrage hin weichen können." Holla die Waldfee, das sind ja hehre Ziele nach durchschnittlich gerade einmal sechs Wochen unterm Sattel (die fünf Wochen davor dürften ja Bodenarbeit und Vertrauensaufbau sein).
Nachgiebigkeit mit zwei Pferden in Richtung Apfel

Die Nachgiebigkeit ist das Ziel jeder (Western-)Ausbildung, aber bis DAS wirklich weich und auf kleinste Zeichen funktioniert, braucht es Jahre. Wenn nun ein Pferd nach gerade einmal drei Monaten Ausbildungszeit beim Mustang Makeover schon so richtig nachgiebig wäre, dann würde ich mich allen Ernstes fragen, ob es da mit rechten Dingen zu gegangen ist.

Jetzt brüstet sich diese MMO-Trainer-Challenge auch noch damit, dass Trainer sich mit ein, zwei Schritten rückwärts zufrieden geben dürfen. Ja, was glauben die denn, was wir Otto-Normalturnierreiter so machen? Ganz genau: Wenn das Pferd zäh rückwärts geht, sind wir froh, wenn wir das Manöver überhaupt zeigen konnten und wenn es nur ein Mini-Schrittchen war - Hauptsache gezeigt und eine Wertung erhalten. Wir haben mit zwei Rückwärtsschritten auch schon eine Schleife erhalten - nur fehlen dürfen die Rückwärtstritte nicht. Erst dann ist es "Out of Pattern" und damit ein Nullscore - ja, ein Nullscore ist es auch dann, wenn der Ritt an sich sehr harmonisch war, aber es sollte ja auch den Reitern gegenüber fair sein.

Unser "Schützling" Queenie kann übrigens ziemlich gut fliegend wechseln und dreht beim Spin nach jahrelanger Vorbereitung auch gar nicht so schlecht, aber wir haben weder eine Westernriding noch eine Reining genannt, weil zuhause und außerhalb einfach ein Unterschied ist und für diese Prüfungen ist nächstes Jahr ja auch noch Zeit. Was lese ich nun aber beim Mustang Makeover zum Thema "Großes Finale"? "Ein anderes Team kann vielleicht schon einen Spin oder einen Galoppwechsel. Wichtig ist am Ende immer die Ausführung und wie das Pferd auf die Hilfen reagiert." Oben stand doch noch, es ginge eben nicht um die korrekte Ausführung - was denn jetzt? Wer jetzt glaubt, meine Tochter und ich wäre Ausnahmen, der irrt. Wir sind mit unserer Einstellung auf regulären Turnieren nichts Besonderes: Die meisten sehen das so wie wir und entscheiden im Zweifel pro Pferd bzw. geben dem Pferd die Zeit, die es braucht.

Beim MMO gibt es noch nicht einmal Kriterien zur Ausrüstung
Eigentlich ist die Überschrift auf dieser MMO-Unterseite ja "Prüfungskriterien", aber genau die sucht man vergeblich: Der Veranstalter verliert kein Wort darüber, WORAN man diese Harmonie erkennt. Ich finde ja, dass die vom MMO den Mund ganz schön voll nehmen. Eigentlich habe ich gar nichts gegen dieses Event, aber dieses aggressive Marketing auf Kosten der Turnierreiter. DAS stört mich.

Zu diesem Thema habe ich ja vor ein paar Wochen mal ein Video gemacht. Da ich besser schreiben als quatschen kann, findet ihr unterhalb des Videos einen Auszug aus meinem Buch "Westernreiten meets Natural Horsemanship", in dem ihr nachlesen könnt, WIE auf regulären Turnieren Harmonie erkannt wird - da gibt es nämlich dann wirklich nachvollziehbare Prüfungskriterien. Beim Mustang Makeover lese ich hingegen nur, dass es fürs Finale überhaupt keine Vorgaben gibt. Da scheint der Willkür ja Tür und Tor geöffnet worden zu sein. Wenn das nun aber eine Alternative zum regulären Turniersport sein soll, dann bleibt mir nur eines vermerken:

Nein, danke. Es reicht ja schon, dass die Teilnehmer willkürlich nach Bekanntheitsgrad ausgewählt wurden. Willkürliche Sieger braucht die Welt dann wirklich nicht und da lobe ich mir den regulären Turniersport, wo man sogar mit Nur-einem-Pony ganz vorne dabei sein kann, denn auf dem Turnier, wo Queenie als Painthorse ihr Debüt hatte, wurde Larissa mit dem Pony Allaroundchampion.

Wer übrigens den Bericht von Queenies erstem Turnier nachlesen möchte, der kann den Bericht in unserem Turnierblog finden:

WC-Entes 1. Turnier - Queenies voller Name sorgt für Zungenbrecher



Auszug aus meinem Buch "Westernreiten meets Natural Horsemanship" aus dem Kapitel:

Das Regelbuch: Will der Turnierrichter Natural-Horsemanship-Pferde sehen?

Ich möchte hier nur stichpunktartig einige Kriterien, die auf Turnieren positiv bewertet werden  aufgreifen und benutze hierzu exemplarisch das Regelbuch der EWU. Das erste Kapitel greift das Thema Tierschutz und Startfähigkeit der Pferde auf. Die Pferde müssen gesund sein und man darf ihnen beim Training keine Schmerzen zufügen und auch keine Leistungen abverlangen, denen sie nicht gewachsen sind. Je nach Alter der Pferde dürfen Sie mit Jungpferden höchstens drei und mit Senior-Pferden höchstens sechs Prüfungen am Tag gehen.
Bei der Bewertung der Gangarten wird großen Wert darauf gelegt, dass das Pferd entspannt läuft. Als Beispiel steht bei einem schlechtem, also unerwünschtem Schritt (Walk), dass das Pferd mechanische oder zögerliche Bewegungen zeigt. Negativ wird auch ein zu eiliger Schritt bewertet. Bei einem guten Walk will der Richter eine flache Oberlinie sehen, wobei das Pferd losgelassen, wach und aufmerksam ist.
Beim Jog (Trab) gibt es sieben Abstufungen, die vom extrem schlechten Jog zum ausgezeichneten
Jog gehen. Bei einem durchschnittlichen Jog müssen die Füße gleichmäßig und diagonal auffußen. „Es zeigt eine ruhige Oberlinie und ist losgelassen, während es sich leicht dirigieren und gut vorstellen lässt.“ Ausgezeichnet ist der Jog dann, wenn die Bewegungen mühelos und effizient erscheinen. „Es tritt mit ausreichendem Raumgriff und berührt sanft den Boden. Das Pferd erscheint
zufrieden und losgelassen. (…) Es trägt sich mit einer leichten Schulter und einer gut untertretenden Hinterhand und einer ruhigen Oberlinie.“
Beim Galopp gilt eine geringe Knieaktion und ein leichtes nach hinten auffußendes äußeres Hinterbein noch als sehr guter Galopp. Ein ausgezeichneter Lope wird u.a. so beschrieben: „Dieses
Pferd wölbt den Rücken auf und hat einen starken, tiefen Sprung mit einem flachen Vorderbein. (….) Seine Hinterbeine fußen tief unter den Schwerpunkt. (…) Es zeigt ein hohes Maß an Leichtigkeit
bei guter Selbsthaltung.“
Diese exemplarischen Zitate zeigen, dass das Pferd locker und zufrieden sein muss und Zwang nicht das Mittel der Wahl sein kann. Gerade in der Disziplin Pleasure wird ja das Gangwerk der Pferde beurteilt. Es ist keineswegs so, dass das langsamste Pferd gewinnt. Zu Abzügen führen beispielsweise unkontrolliert hohes Tempo, übermäßig langsames Tempo (Verlust der Vorwärtsbewegung), Kopfhaltung des Pferdes zu hoch oder zu tief (Ohrenspitzen tiefer als der Widerrist).
Die Nase hinter der Senkrechten wird genauso negativ bewertet wie eine zu weit vorgestreckte Nase. Es führt aber auch zu Abzügen, wenn das Pferd stumpf, ausgemergelt, matt oder übermüdet wirkt.
Bei der Westernhorsemanship sollen ja Sitz und Einwirkung des Reiters beurteilt werden. Hierzu steht im Regelbuch 2014 der EWU: „Die Vorstellung soll kontrolliert und harmonisch wirken. Die
schnell aufeinander folgenden Manöver bedingen ein sehr ruhiges Grundtempo.“
Abzüge gibt es, wenn das Pferd Widerwillen zeigt, z.B. bei Kopf- oder Schweifschlagen und Maulaufsperren. Da hier vorrangig der Sitz des Reiters bewertet wird, gibt es Abzug bei starker oder übertriebener Hilfengebung sowie Abweichungen vom korrekten Grundsitz.
Beim Trail wird vorrangig nicht der Sitz des Reiters bewertet, aber hier ist Folgendes zu lesen: „Während sich die Pferde zwischen den Hindernissen befinden, sollen sie ausbalanciert sein und
Kopf und Hals in einer natürlichen, entspannten Position in Höhe des Widerristes oder leicht darüber tragen. Der Nasenrücken sollte nicht hinter der Senkrechten getragen werden, so dass der
Eindruck einer Einschüchterung entsteht. Widerstand gegen den Zügel wird ebenfalls negativ bewertet.“
Das Kapitel über die Disziplin Western Riding verlangt mehr vom Pferd als nur saubere, fliegende Galoppwechsel. Es beginnt mit folgenden Worten: „Western Riding bedeutet die Vorstellung eines
sensiblen, losgelassenen, sich mühelos bewegenden Pferdes. Das Pferd wird nach der Qualität seiner Gangarten und Galoppwechsel, nach seiner Durchlässigkeit, Feinheit, Veranlagung und Willigkeit
gegenüber dem Reiter (Harmonie) bewertet. Das Pferd soll bei dieser Aufgabe eine entspannte Kopfhaltung zeigen, die Zügelhilfen des Reiters willig annehmen und eine angemessene Beizäumung
im Genick zeigen.“ Ein leichter Kontakt zum Maul ist hier erlaubt.
In der Königsdisziplin Reining soll das Pferd sich mit wenig oder gar unsichtbaren Hilfen dirigieren lassen. „Positiv gewertet werden Weichheit, Feinheit, Haltung, …“ Ganze fünf Penalties (Strafpunkte) gibt es z.B. auch dafür, wenn der Reiter dem Pferd mit der Hand droht. Auch ein Aufsperren des Mauls (Sperrriemen sind im Westernreiten nicht zugelassen) oder übermäßiges Kauen führen zu Punktabzügen.
Es sei erwähnt, dass die im Nachwort aufgegriffene Debatte um lange oder kurze Zügel von der Disziplin abhängig ist. In der Ranch Riding, Westernriding oder auch der Westernhorsemanship ist eine Anlehnung durchaus möglich oder gar erwünscht.
Wem es in der Pleasure oder der Reining gelingt, seine Hilfen über Sitz und Bein zu kommunizieren (das Ideal im Natural Horsemanship), kann durch Längerlassen des Zügels durchaus punkten,
sofern das Pferd in Selbsthaltung läuft.
Bei der Disziplin Superhorse, die nur bei der EWU und nur in den Leistungsklassen 1 und 2 angeboten wird, weil hier Elemente aus mehreren Disziplinen gezeigt werden (Pleasure, Westernriding, Reining, Trail), sind nur Seniorpferde zugelassen (ab 7 Jahren). Auch hier werden unsichtbare Hilfen und williger Gehorsam verlangt.
Bei Jungpferdeprüfungen ist die Skala der Ausbildung ein entscheidendes Kriterium, die Sie auf S. 182 finden. Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Zielsetzung im Westernreiten nahezu identisch
mit der Zielsetzung im Natural Horsemanship ist. Im ersten Teil des Buches ging es um Vorurteile gegen das Westernreiten als Turniersportart und den Vorwurf, ein Pferd als Sportgerät zu missbrauchen bzw. Leistungen durch Einschüchterung zu erreichen.
Ich denke, dass man durch Einschüchterung immer nur zu Mittelmäßigkeit kommen kann (siehe Nachwort). Um ganz oben dabei zu sein, muss das Pferd die Leistung erbringen wollen. Wenn man
diesen Will-to-please nicht dem Zufall überlassen möchte, ist das Natural Horsemanship eine hervorragende Chance auch für mittelmäßig begabte Pferde.
Linda Parelli hat einmal gesagt, dass es vielen Menschen gelingt, ein Pferd zu einer bestimmten Leistung zu bringen, aber wem gelingt es schon, dass das Pferd diese Leistung erbringen will?
Genau das ist das erklärte Ziel des Natural Horsemanship. Weil es hier aber nicht nur um Techniken und das Erlernen der pferdischen Körpersprache geht, sondern auch um Psychologie und den Einsatz der inneren Energie, die bei uns zivilisierten Menschen immer mehr zu verkümmern droht, kommt vor dem intuitiven Handeln zunächst das theoretische Lernen, worum es im nächsten Kapitel geht.

Quelle - Regelbuch der EWU, Stand 2014:
  https://westernreiter.com/wp-content/uploads/201 6/02/EWU-REGELBUCH-2015_2016.pdf

Die Geschichte des Buches erzähle ich in:  Aus ethischen Gründen abgelehnt - zu Reininglastig

und HIER geht es zu einer ausführlichen REZENSION:

Da der Link http://www.mustangmakeover.de/mustang-makeover/pruefungskriterien/, den ich hiermit als Quelle für diese Prüfungskriterien nenne, zwischenzeitlich editiert wurde, hier ein Beleg als Screenshot, wie die Seite am 29.6.17 ausgesehen hat, als ich diesen Beitrag geschrieben habe:



Einem Blick ins Buch können Sie bei Books-on-demand werfen, wo es seit einigen Tagen als Bestseller gelistet wird:



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