Sonntag, 29. Mai 2016

Kult geworden: Profi an der Bande sein

Also, ich mag ja diese Fehlersuche auf Facebook so gar nicht und schon gar nicht dieses "Ich-weiß-was-Getue" von Laien und Reitanfängern, die glauben, dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben, weil sie eine Tatsache unter vielen kennen. Eigentlich ist dieses Verhalten ja genau das, was die seit 20 Jahren bekannten Pferdeprofis an der Bande machen: Alles besser wissen und polarisieren. Westernreiter gegen Englischreiter, Positiv-Verstärker gegen Negativverstärker, Clicker-Freunde gegen Horsemanshipler. Reiningreiter gegen Pleasurereiter und umgekehrt. Wenn jemand ein Video oder ein Foto auf Facebook postet, beginnt das mehr oder weniger Heitere: "Findet den Fehler." Eine passende Satire aus Georgias Feder zum Thema "Reiter sind Streiter" findet ihr HIER (Facebook) und hier (Georgias Website).
Ich bin so überhaupt kein Freund von Jeder gegen Jeden, aber weil das in der Reiterwelt oft so ist und man wenn man etwas zu einem bestimmten Trainer wissen möchte, von fünf Leuten zehn Meinungen bekommt, öffnen diese Bandenprofis Scharlatanen Tür und Tor. Denn die können sich genau hierauf berufen, dass sie eigentlich eine sehr gute Arbeit machen, aber die Facebook-Welt ja an allem und jedem etwas auszusetzen hat. Wie in diesem Wust nun die Spreu vom Weizen trennen?




Eine Facebook-Freundin von Sandra Schneider hat mir vor einem Jahr die Freundschaft gekündigt und mir erzählt, wie Sandra Schneider sich gefreut hat, dass sie in der VOX-Sendung mitmachen darf, denn vorher kannte sie kein Mensch. Diese "Freundin" schrieb mir, dass es für Sandra sowohl ein Segen als auch ein Fluch gewesen sei und appellierte an mich Georgias Satiren doch bitte nicht mehr zu teilen. Das sei doch nur Lästern auf Kosten anderer und vollkommen intolerant. Ich habe die Satiren weiterhin geteilt und darauf hin hat die Dame mir die Facebook-Freundschaft gekündigt. Sie begründete dies mit Trainer-Schelte und ich solle einfach tolerieren, dass das einfach jeder anders macht mit dem Pferdetraining.
Mir fiel ehrlich gesagt das Lächeln aus dem Gesicht: Egal, was ein selbst ernannter Pferdetrainer macht, wir sollen uns nicht mehr kritisch dazu äußern? Was ist denn das für ein Demokratie-Verständnis. Sollte im Pferdetraining wirklich alles erlaubt sein? Es sind Lebewesen, haben sie es nicht verdient, dass man sie zumindest artgerecht behandelt - nicht nur behandelt, sondern auch artgerecht ausbildet? Wie kann es überhaupt sein, dass es jeder anders macht, wo doch ein Pferd ein Pferd ist. Die Methoden, die ich von Sandra Schneider sehe, sind die Methoden, mit denen ich herum gedoktort habe, bevor ich mich in Sachen Pferdetraining weitergebildet habe. Stehen jetzt die, die einfach mal so rumprobieren denn wirklich auf derselben Stufe mit denen, die sich fortbilden und weiterbilden und sogar prüfen lassen? Da fällt mir die Kinnlade herunter.
Aber in Deutschland ist genau das erlaubt: Jeder, der sich berufen fühlt, darf sich Trainer nennen (Artikel von mir zu diesem Thema). Es gibt keine Standards. Ein Automechaniker, der in seinem Beruf nichts wird (ich habe nichts gegen Automechaniker, aber ich sehe sie lieber am Auto als am Pferd) darf also in jedweder Manier an Pferden "rumschrauben", solange bis ihr Wille gebrochen ist und er diese (Schein-)Erfolge mit Vorher-und-Nachher-Videos auf Facebook postet?? Das, was der (nicht) kann, ist also genauso viel wert wie der Pferdewirt, der eine dreijährige Ausbildung hinter sich hat oder der Parelli-Instruktor, der sich immer wieder und Jahr für Jahr Prüfungen unterziehen muss, um seine internationale Lizenz zu verlängern?? Wer setzt denn in Deutschland eigentlich die Standards? Ist es die FN oder sonst ein Verband? Nein, es ist das Fernsehen - wollen wir das??? Wenn ich Natural Horsemanship unterrichte, kommen mir Leute mit Tütenstock entgegen gelaufen, weil sie das so im TV gesehen haben. Wenn ich Ihnen versuche zu erklären, dass Kommunikation gegenseitig sein muss oder dass man ein Pferdetraining in kleine, überschaubare Schritte aufteilt, sagt man mir, dass sei im TV aber anders gewesen. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes zum Haare raufen. Auch hierzu hat Georgia eine Satire geschrieben. HIER geht es zum Beitrag auf ihrer Facebook-Seite und hier gibt es auch eine Website. (By the way: Auch Georgia titelt das Hackl-Video mit: Bernd antwortet UNS).
Ich habe übrigens ein mal mit Georgia telefoniert: Ihres Zeichens Englisch-Reiterin und man sollte ja annehmen, dass bei so einem Telefonat der Grabenkrieg Westernreiten gegen Englisch-Reiten ausbricht oder Englisch-Reiten gegen Natural Horsemanship.
Weit gefehlt: Ich war erstaunt, wie viele Gemeinsamkeiten wir in Sachen Pferdetraining entdeckt haben. Denn es macht eben doch nicht jeder anders, weil ein Pferd ein Pferd ist und ein Pferd ein Pferd bleibt. Aber von diesem Telefonat erzähle ich Euch ein anderes Mal (vielleicht auch in einem Marsmännchen-Video), denn am Ende dieses Themenmonat lautet der Titel des Blogeintrages: Wer sollte denn eigentlich diese Standards setzen?

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