Montag, 12. März 2018

#3 Wie schaut dieses Event aus Natural Horsemanship Sicht aus?

zu den anderen Teilen:     EINLEITUNG    //    TEIL 1     //      TEIL 2       //    HARDYS VITA

Hier wird ein Anspruch vermarktet der für jeden Pferdefreund gut klingt und die Pferdemädchen-Herzen höher schlagen lässt. MMO: "Um den Druck aus dem Pferdetraining zu nehmen, ist es für uns eine Herzensangelegenheit das Event als Pro Pferd Veranstaltung zu etablieren." Genau das erkenne ich in der Veranstaltung nicht. Meine Kritik orientiert sich an dem Ergebnis und an dem Weg dorthin. Bei beiden sehe ich persönlich das Ziel der Veranstaltung nicht erfüllt.

MMO: "Wir machen das unsichtbare Band zwischen Pferd und Reiter sichtbar!" (Quelle für dieses und nachfolgende Zitate: www.mustangmakeover.de)


Wirklich? Ist es ein unsichtbares Band des Vertrauens, wenn ich sehe, das ein Pferd mit Hengstkette trainiert wird, schon nach wenigen Tagen den Sattel aufgelegt bekommt, wenn im Finale ein Pferd seinem Trainer weg läuft und er es durch die Manege verfolgt, um es wieder einzufangen, Pferde vor Stangen am Boden scheuen oder es einen zweiten Begleitreiter braucht, um eine Runde durch die Manege zu reiten? (Edit: Hardys Beispiele sind im folgenden Video dokumentiert)


Der Autor mit Wide-Wilden-Mustangs in der facility in Litchfield
MMO: "Zusammen können wir es schaffen, die Welt der Pferde besser zu machen!" Das sieht für mich anders aus und das sehen auch viele Kritiker genau so, die aber allesamt nicht mehr Fragen oder Kritikpunkte äußern können, da sie aus dem Forum ausgesperrt wurden (Screenshots & Infos dazu: HIER). Und dazu gehört auch die Frage nach der Qualifikation der Trainer mit Wildpferden umzugehen. Gibt die Vita der teilnehmenden Trainer Auskunft darüber was sie berechtigt mit wilden Pferden umzugehen? Welche Erfahrungen haben sie im Umgang mit Wildpferden - wenn keine, ist dann ein Wildpferd als Lernobjekt gut aufgehoben? "From wild to mild" sehe ich sehr kritisch, wenn Pferde eingefangen und zu einem Trainer gehen, dort längere Zeit stehen, um dann verladen, geflogen und in Boxen nach Deutschland gestellt werden. Sie wurden gegentled und geliefert, um dann von deutschen Trainern,die bis zu ihrer Teilnahme in drei Monaten für eine Show trainiert werden.


Die Mustangs haben in den facilitys alles, was sie brauchen
Sind diese Pferde geeignet durch mehrere Trainerhände zu gehen? Meiner Meinung nach Nein, da bei einem Wildpferd Ruhe, Freihaltung, Empathie, Vertrauen, und Hingabe an erster Stelle stehen. Sind diese Pferde ein Pferd für jeden? Meiner Meinung nach Nein, da sie nicht für Stallhaltung gezüchtet wurden und in Freiheit groß geworden sind. Das heißt, dass das was bei Hauspferden schon zu Verhaltensstörungen führt, auf eine wildes Tier einen noch viel höheren Druck ausübt und man sich die Frage stellen muss, ob man ein wildes Tier in eine kleine Pferdebox stellen kann, die schon für Pferde, die seit hundert Jahren nichts anderes kennen, zu Verhaltensauffälligkeiten führt. Man darf nicht vergessen - auch wenn das bei dieser Veranstaltung nichtmals im Ansatz diskutiert wird: Diese Pferde sind in Freiheit groß geworden, sonst wären sie ja keine Wildpferde, sie haben noch nie in einer Box gestanden. Für ein wildes Tier ein klaustrophobischer Käfig. Aus dem gleichen Grund sehe ich auch Zoos sehr kritisch und lehne Zirkusveranstaltungen mit Tieren ab.

MMO: "Neben der Bekanntmachung einer außergewöhnlichen Rasse liegen die Schwerpunkte dieses Events in der Weitergabe von Wissen zu den Themen Pferdetraining und Pferdegesundheit." Äh seit wann sind Mustangs eine Rasse? Wieso werden sachliche Fragen und Kritik an den Trainingsvideos gesperrt?

Die Fotos in diesem Beitrag sind von Katrin Lahn - Hardys Ehefrau
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen: Diese Untamed Spirits gehören in soviel Freiheit wie möglich ist. Aus verschiedenen Gründen geht das leider nicht immer, auch wenn der BLM viel dafür tut, was im Rahmen seiner Möglichkeiten liegt. Es gibt viele kontroverse Diskussionen zu den verschiedenen Methoden, ihnen zu helfen. Die Facilities sind ein wichtiger Baustein, um den Mustangs zu helfen, wenn sie eingefangen wurden. Das BLM sorgt dafür, dass sowohl die Haltung, als auch eine Vermittlung, so gut ist wie es ihnen vom Staat her möglich ist, zu gestalten. Bei meinen Besuchen in den Facilities, aus denen wir selbst vier Mustangs adoptiert haben, haben wir immer eines gesehen: Gut genährte Tiere in großen sozialen Gruppen auf Flächen, die in Deutschland jeden Stallbesitzer neidisch machen würden. Das ist natürlich kein Ersatz für Freiheit, aber das Wichtigste dabei: Alles was hilft, diese wunderschönen Tiere zu erhalten und vorm Aussterben zu beschützen ist mehr als nichts zu tun. Es gibt in den USA viele Foundations, die selbstlos und ohne daran Geld zu verdienen, ihre Zeit, ihr Geld und ihr Engagement zur Verfügung stellen und ihren Beitrag leisten für das, was sie sich auf die Fahnen geschrieben haben. Es gibt immer wieder wichtige Aktionen, die sofortigen Handlungsbedarf haben und wir alle, die für die Mustangs einstehen, sind dann gefragt aus Worten Taten zu machen. Ich plädiere dafür, Mustangs in den USA zu lassen, wo sie hingehören. Ich befürworte das BLM-Programm, weil es eine Möglichkeit ist, diesen Wildpferde unter den gegebenen Umständen eine Chance zu geben. Wenn man diese freien Tiere adoptiert, sollte man meiner Meinung nach, mindestens 1 Hektar Koppel pro Pferd haben, mindestens eine Gruppe von 3-4 Mustangs haben, um deren soziale Struktur zu erhalten und ihnen ganzjährig solch eine Koppel bieten können. Mustangs sind für mich keine Boxenpferde.

DAS VIDEO OBERHALB WURDE VOM MMO DEAKTIVIERT. EIN SKANDAL, DENN DAS MUSTANG MAKEOVER IST DEFINITIV NICHT URHEBER DER AUFNAHMEN - WÄRE ER ES HÄTTE ICH DIE SZENEN DENNOCH KOMMENTIEREN DÜRFEN, WEIL ZITATRECHT STEHT ÜBER DEM URHEBERRECHT, WENN ÖFFENTLICHES INFORMATIONSINTERESSE - IN FOLGENDEM VIDEO BERICHTE ICH ÜBER DEN DARAUS RESULTIERENDEN STREIT MIT DEM MMO:



Ihr möchte mehr übers MMO lesen? Dann seht Euch im Themenmonat vom Vorjahr um, wofür ich selbst die Texte verfasst habe (meine Vita ist HIER & Hardys HIER):


Das Leitwort dieses Blogs lautet "Kühn, kritisch, konstruktiv" - diesem Tenor folgen auch meine Bücher, isbd. das mit dem Titel "Tod eines Pferdes" - eine Vorausschau gibt es HIER:


1 Kommentar:

  1. Danke für diesen tollen Beitrag - genauso sieht es nämlich aus. Erstaunlich dass da überhaupt noch jemand hingeht ...

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