Samstag, 3. September 2016

Vergebung & ein Plädoyer fürs Bauchgefühl

Unser Abschied von Idgie in den August-News der Homepage

Dieses Bild hat mir eine liebe Freundin an meine Facebook-Chronik gepostet
Unsere kleine Idgie, die ihr im Themenmonat "Hunde- & Katzenwelpen" kennengelernt habt, ist leider vorgestern gestorben. Es ist nicht auszuschließen, dass sie einen für Collies typischen Gendefekt hatte und wegen einem tierärztlichen Behandlungsfehler gestorben ist, aber erwiesen ist das natürlich nicht und ich werde es auch nicht testen lassen, denn damit bekomme ich sie nicht zurück. Andererseits hat sie in den letzten Wochen schon abgebaut, wodurch nicht auszuschließen ist, dass ihre Leber schon vorher geschädigt war: Entweder wegen einer Vergiftung oder auch wegen eines angeborenen Organfehlers. 
Rational betrachtet, könnte man natürlich sagen, dass sie eine reele Überlebenschance gehabt hätte, wenn man ihr nicht auch noch das auch für Hunde ohne Gendefekt hochgiftige Wurmmittel für Schweine gegeben hätte. Das Mittel heißt Dectomax, hier die Packungsbeilage:

http://www.pharmazie.com/graphic/A/55/8-00355.pdf

Und so sehr ich mich im nachfolgenden Brief über die allererste Behandlerin aufrege, so muss ich doch eingestehen, dass alle Beteiligten irgendwann einen oder mehrere entscheidende Fehler gemacht haben - mich selbst eingeschlossen. Wenn ich mir vergeben will, muss ich das bei den anderen auch tun, denn Groll und Ärger würde spirituell gesehen noch mehr Unglück und Krankheit anziehen. Warum ich das so sehe, erzähle ich im Laufe dieses Themenmonats, wo es um Spiritualität gehen wird. Dennoch sei einmal erwähnt, dass im Bereich der Veterinärmedizin so einiges im Argen liegt:

Sinngemäßes Zitat: Warum gibt es immer mehr kranke Tiere, obwohl es so viele Medikamente gibt?

Dennoch muss ich bei der erstbehandelnden Notdienst-Tierärztin im Nachhinein eingestehen, dass sie der Lösung eigentlich am Allernächsten war, aber sich einfach nicht getraut hat, dieses Risiko einzugehen. Wie man es macht, ist es ja auch verkehrt und jedes Risiko, das man ausschließen möchte, begünstigt ein anderes. Da man hinterher immer schlauer ist, hätten wir natürlich sagen sollen: "Bitte sedieren und auf Fremdkörper untersuchen." Denn Tage später hat Idgie sich endlich von meiner Tochter im Maul untersuchen lassen und es war tatsächlich ein Fremdkörper zwischen ihren Zähnen - allerdings ohne Verletzung des Zahnfleisches, so dass weder die schlechten Leberwerte noch die Entzüdungswerte noch die Abmagerung durch diesen Fremdkörper erklärbar gewesen sind. Komisch ist zwar, dass die TA in der Sedierung ein Risiko sah, aber nicht darin einfach mal ohne Diagnose ein Schmerzmittel zu geben, aber ich muss auch mir selbst eingestehen, dass ich gegenüber meiner Tierheilpratikerin auch nicht den Mut hatte zu sagen: "Bitte, bitte, lass mich meinen eigenen Weg gehen. Im Herzen weiß ich, dass Idgie sowieso sterben muss und ich will nichts tun, um sie zu retten, sondern ich will eigentlich alles tun, um ihr einen schönen Tod zu geben." oder auch denkbar: "Ich würde ihre Selbstheilungskräfte aktivieren wollen, ohne Chemie und dann entscheidet die Natur". Man sagt so etwas schon deswegen nicht,weil ma das ja selbst nicht wahrhaben will und vor allem auch deswegen nicht, weil man soziale Ächtung fürchtet, wenn man nicht alles, aber auch wirklich alles fürs Tier versucht hat - und genau diese Trostworte kommen ja bei spätereren Beileidsbekundungen: "Aber du hast ja wirklich alles versucht", worauf ich jedes Mal geantwortet habe: "Das hätte ich besser nicht gemacht."
Als meine Tierheilpraktikerin zu mir sagte, dass Idgie stirbt, wenn ich nicht zum Tierarzt gehe, durchschoß mich der Gedanke, dass sie auf jeden Fall stirbt, denn ich hatte bereits Donnerstag vor einer Woche eine Vorahnung (oder war das vielleicht gar eine Warnung: Finger weg von Chemie?): Es war als hätte mich wirklich der Hauch des Todes berührt: Ich sah sie taumeln und dachte: "Sie hat es eben doch nicht geschafft und ich kann das akzeptieren." um sofort danach gegen diesen Gedanken innerlich Sturm zu laufen, mich selbst herzlos zu schimpfen und die ganze Nacht diesen Ohrwurm im Ohr zu haben, der mich dennoch beharrlich ans Unausweichliche erinnerte. 



Weil man es aber selbst einfach nicht ertragen kann, dass ein geliebtes Tier sterben soll, nimmt man das Bauchgefühl nicht ernst und schiebt es weg, weil man von seinem Umfeld nicht als "herzlos" empfunden werden will, wenn man sagen würde: "Ja genau, sie wird sterben."
Es ist ja auch so schwer, sein Bauchgefühl anderen gegenüber zu verteidigen, weil man das ja nicht mit Zahlen und Fakten beweisen kann, aber man weiß es einfach. Und wider besseren Wissens setzt man dann doch Himmel und Hölle in Bewegung und kämpft einen Kampf, den man nicht gewinnen kann. Erst dann, wenn das Unausweichliche dann eingetreten ist, weiß man, dass jede einzelne Entscheidung sich deswegen als Fehlentscheidung erwiesen hat, weil es Zeiten im Leben gibt, wo man nur Eines tun kann: Loslassen. Aber vielleicht sollte auch dieser unnötige Kampf einfach sein und war genauso unausweichlich wie Idgies Tod. Vielleicht hat beides die Botschaft, dass die Dinge ins Gleichgewicht kommen müssen: Denn ist es nicht erstaunlich, dass meine Tierheilpraktikerin mir mit vernünftigen Argumenten kommt, wo eine Schulmedizinerin (die 3. Behandlerin von der ich im folgenden Video erzähle) von Instinkt, Bauchgefühl und Homöopathie spricht? 



Vielleicht sollte auch das so sein, damit das Spannungsfeld Schulmedizin versus Naturheilkunde zumindest für mich ins Gleichgewicht kommt und ich beides sehen kann wie das Yin und Yang in fernöstlichen Kulturen: Als zwei Dinge, die man nicht trennen sollte oder wo die Antwort "Welches von beiden soll ich nehmen?" immer nur lauten kann: "Es kommt drauf an." so wie es ja in der Pferdeausbildung nach Natural Horsemanship-Prinzipien auch ist.
Hier möchte ich von ganzem Herzen meiner Tierheilpraktikerin Silja Klenk meinen Dank aussprechen: Sie hat uns eine Woche lang intensiv beigestanden und immer wieder nachgefragt, gegoogelt, Diagnosen hinterfragt, lange Telefonate mit mir geführt und wollte keinen einzigen Cent dafür haben; Sie hat sogar angeboten, mir Geld zu leihen für Idgies Behandlung. Es gibt eben doch noch gute Menschen auf der Welt und - wo wir beim Thema Vergebung sind: Auch der Tierarzt, den ich "Dr. X" nenne, hat ganz bestimmt nach besten Wissen und Gewissen gehandelt. Er ist einfach nicht auf die Idee gekommen, dass das Mittel Dectomax den kleinen Hund umbringen könnte oder dass es diesen MDR-1-Gendefekt (NICHT NUR BEI COLLIES) gibt. Wer hat schon solche immensen Gehirnkapazitäten, dass er nicht nur das komplette tiermedizinische Wissen abgespeichert hat? Und selbst, wenn man es mal gelernt hat - es gibt immer Hunderte von möglichen Diagnosen und man muss vielleicht auch einmal akzeptieren, dass es Dinge gibt, die man nicht weiß, weil das tiermedizinische Wissen so unendlich umfassend ist, dass ein einziger Mensch alleine, es gar nicht alles wissen kann oder bei den Unmengen an Informationen nicht mehr die Wesentlichen herausfiltern kann.
Mich hat alles, was passiert ist, vor allem Eines gelehrt: Das Unterbewusstsein hat viel mehr Wissen, als der Verstand, aber man kann es eben nicht erklären. Der bewusste Verstand argumentiert und kategorisiert mit einem Bruchteil des Wissens, was das Unterbewusstsein für uns abspeichert. Immer dann, wenn wir also das Gefühl haben nach Bauchgefühl zu handeln, dann greifen wir genau auf dieses Wissen zurück und genau damit befasst sich dieser Themenmonat. Wenn ihr jetzt auf WEITERLESEN klickt, kommt mein Brief an die erste Tierarzt-Praxis (Namen gelöscht):

- per Fax


Widerspruch gegen Ihre Rechnung 

Sehr geehrte ...,

Ich widerspreche obiger Rechnung wegen Nicht-Erfüllung bzw. einer lebensbedrohlichen Falschbehandlung meines Hundes – ggf. lasse ich auch Schadenersatzansprüche anwaltlich prüfen.
Begründung: Da bei der 1. Vorstellung des Hundes, der besorgniserregende neurologische Symptome des ZNS zeigte, durch die von Ihnen zur Aushilfe beschäftigten Tierärztin (nachfolgend: TA) keine Untersuchung stattgefunden hat, hatte ich Ihnen am gleichen Abend Gelegenheit zur Nachbesserung gegeben. Bei einem heutigen Besuch bei meiner regulären Tierärztin und Überweisung zu einer stationären tierärztlichen Unterbringung hat sich herausgestellt, dass auch bei dieser Nachbesserung durch Dr. X sen. gravierende Fehler unterlaufen sind, die für den Hund nun lebensbedrohlich sein könnten:
  1. Da Dr. X Blut abgenommen hatte und ihm von mir mitgeteilt wurde, dass es sich um einen Collie-Mischling handelt, frage ich mich, warum MDR-1 nicht getestet wurde.
  2. Das von Ihnen verabreichte Wurmmittel ist laut Aussage meiner Tierärztin nicht geeignet. Auch der Tierarzt in der stationären Praxis erläuterte mir, dass man mit diesem Mittel sehr vorsichtig sein müsse, da es eigentlich für Rinder und Pferde gedacht sei. (Nachtrag: lt. Google: für Schweine)
  3. Da sich nur ein auffälliger Blutwert dem Wurmbefall zuordnen lässt, alle anderen aber auch einen Verdacht auf Hirnhautentzündung erhärten könnten (Fieber >39° wurde ja auch festgestellt), stellt sich außerdem die Frage, warum kein weiteres Blut abgenommen wurde, z.B. um einen Borreliose-Wert zu ermitteln oder auch den Entzündungsverlauf, da sich die meisten Blutwerte nicht durch den Wurmbefall erklären lassen.
Auch die Notdienst habende Tierärztin hatte sich bereits fahrlässig verhalten: Die TA hat weder Fieber gemessen noch die Pupillen des Hundes untersucht noch die Spannung der Haut getestet, sondern eher uns gefragt, wie sie den Hund behandeln soll. Entgegen der Formulierung der TA in o.g. Quittung war der Hund bei der Vorstellung auch nicht nur „schlank“, sondern kurz vor dem Austrocknen dehydriert und kachektisch, was wir erwähnten. Sie sagte aber, er habe nichts Lebensbedrohliches.
Auf die Frage der TA, was der Hund habe, berichteten wir, dass der Hund seit Wochen schlecht isst und seit wenigen Tagen taumelt. Auch legten wir dar, dass wir u.a. (!!!) zusätzlich an einen Insek-tenstich gedacht hatten, weil der Hund sich derart aggressiv übers Maul streift, dass er sich dabei beinah überschlägt. Von dieser Handlung wurde der TA ein Video auf unserem Handy gezeigt. 


Auch wurde ihr mitgeteilt, dass der Hund sich seit wenigen Stunden nicht im Maul anfassen lässt und sodann beißt (am Sonntag-Abend wurde beim Nachbesserungsversuch von Dr. X ein Maulkorb verwendet). Auf eine Untersuchung hat die TA aus unerfindlichen Gründen verzichtet, diese aber trotzdem in Rechnung gestellt. Bizarr war, dass sie als Tierärztin uns nach Diagnosen gefragt hatte. Als Laie können wir natürlich nur vermuten – genau deswegen sucht man ja einen TA auf - isbd. sucht man nur dann den Sonntagsnotdienst auf, wenn man befürchtet, dass ein Tier die folgende Nacht nicht überlebt. Unsere laienhaften Vermutungen „Insektenstich, Wurmbefall, Vergiftung???“ haben wir zwar geäußert, aber auch klar gestellt, dass wir es nicht wissen. Auf unsere Auskunft, dass es sich um einen Collie-Mischling handelt, kam auch von der TA keine Nachfrage, ob dieser MDR-1-getestet sei und auch nicht der Hinweis, dass MDR-1-positive Hunde viele Medikamente nicht vertragen und diese Störungen des Zentralen Nervensystems auslösen. Unser Hund hatte ja aber bereits Störungen des ZNS. All das hat die TA nicht mitgeteilt, dennoch eine Beratung berechnet und uns aber ohne Kottest ein unspezifisches Wurmmittel mitgegeben, was wir erst geben sollten, wenn es dem Hund besser ginge. Dr. X hat uns dann gesagt, dass dies nicht das richtige Mittel war und hat uns widerum ein anderes mit einer Spritze verabreicht, dennoch sollen wir das nicht benötigte Mittel ebenfalls bezahlen. Von den beiden Nachbehandlern hörten wir nun, dass gerade das von Dr. X verabreichte Wurmmittel nicht die richtige Wahl für einen Hund sei: Genau das Bombardement mit diversen Medikament ist schließlich eine zusätzliche immense Belastung für den ohnehin geschwächten Hund. Da die TA so sicher war, dass es nur ein Insektenstich im Mund sein könne, riet sie nur in dem Fall Blut abzunehmen, falls es dem Hund wider Erwarten nicht nach einigen Tagen besser gehen würde. Wenn wir aber Zweifel an ihrer Diagnose „Insektenstich“ hätten, könnte sie den Hund sedieren, um das Maul innen zu untersuchen. Sie fragte uns sodann, ob wir diese Sedierung möchten. Wir hinterfragten, ob der Organismus des Hundes, der so stark taumelte, dass er in der Praxis sogar fast gegen die Wand lief, eine Sedierung überhaupt verkraften würde – die TA war sich da auch nicht sicher, aber überließ unglaublicherweise uns die Entscheidung. Die TA gab dem Hund dann ein Schmerzmittel (dieses Mal ohne uns zu fragen) und versprach, dass es dem Hund damit bald besser ginge. Da die TA die Fachfrau ist und nicht wir, glaubten wir ihr das und fuhren zunächst beruhigt nach Hause, ohne zu wissen, WELCHES Schmerzmittel es war. Allerdings stellte sich dann doch keine Besserung ein, so dass wir unsere hiesige Tierheilpraktikerin um einen Hausbesuch baten. Diese setzte sich unmittelbar telefonisch mit Ihrer Praxis in Verbindung, um zu erfahren, welches Schmerzmittel der Hund erhalten habe. Dr. X jun. entschuldigte sich alsdann am Telefon bei der Tierheilpraktikerin für das Fehlverhalten der Aushilfe. Nach meinem 3. Besuch bei Ihnen, als mir eine weitere Rechnung angekündigt wurde, bat ich Dr. X sen. die Falsch-Behandlung des Hundes durch die TA nicht zu berechnen. Genullt wurde aber nur der Nachtzuschlag: Anzumerken ist, dass unser Erstbesuch ja gar nicht nachts war, sondern zu den üblichen Sprechstundenzeiten während der Mittagszeit, wo sowohl eine Laboruntersuchung als auch eine daraus resultierende Notbehandlung des dehydrierten Hundes problemlos möglich gewesen wäre. Es ist zwar fraglich, ob eine Uhrzeit von 19 Uhr 30 bereits einen Nachtzuschlag rechtfertigen würde, aber dieser wurde ja tatsächlich nicht erhoben, wäre aber ohnehin nicht uns anzulasten, da wir ja zur regulären Sprechstundenzeit unseren ersten Besuch bei Ihnen hatten. Abschließend bitte ich Sie folgende vorläufige Aufstellung des mir entstandenen Schadens zur Kenntnis zu nehmen:
  1. Rechnung der THP (ist noch nicht erstellt)
  2. Fahrtkosten für 2 Fahrten von Lindlar nach ... , da schließlich nur ein einziger TA-Besuch erforderlich war, um sowohl die notwendige Blutuntersuchung als auch die daraus resultierende Behandlung einzuleiten
  3. Da ich als mobile Reitlehrerin arbeite und sämtliche Termine für den Montag morgen absagen musste, ist mir somit auch Verdienstausfall entstanden
  4. Es bleibt abzuwarten, ob der Hund die Fehlbehandlung überlebt. Da sich durch Ihre Fehlbehandlung die richtige Behandlung nicht nur verzögert hat, was zu Folgeschäden im Gehirn führen kann, sondern durch die (z.T. für Kühe & Pferde bestimmten - NACHTRAG: SCHWEINE) Medikamente selbst auch eine Verschlechterung des Zustandes des Hundes eingetreten ist, wird auch hier ein nicht unerheblicher Betrag zu beziffern sein.
NACHTRAG: Dieser Brief ist Anfang der Woche entstanden - in allerhöchster Not. Ich bin mir aber nicht wirklich sicher, ob es nicht für das eigene Seelenheil besser ist zu vergeben, als Schadensersatzansprüche zu stellen. Menschen machen Fehler und manchmal sind diese Fehler eben tödlich.

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