Montag, 26. Februar 2018

Die Suche nach dem Schuldigen: Todesurteil für die Ausrüstung


Der folgende Blogbeitrag ist ein Ausschnitt aus meinem neuesten Buch: Die besten Artikel erscheinen natürlich nicht hier im Blog, sondern exklusiv im Buch. Mehr Infos zu "Tod eines Pferdes - Zirkuslektionen ...": HIER

Wenn es mit dem Schwimmen nicht klappt, ist bekanntlich die Badehose Schuld. Das kennt man ja und auch wenn ich das, was mit Schlaufzügeln gemacht wird, i.d.R. ebenfalls bedenklich finde, so kann da ja der Schlaufzügel nichts dafür. Der hat natürlich - weiß Gott - nichts in Anfängerhänden zu suchen und ich selbst bin noch nie mit Schlaufzügeln geritten, aber wer weiß, ob es nicht doch unter Tausend Pferden mal eines gibt, dem dieser dann doch hilft, etwas zu verstehen. Ich habe ein einziges Mal im Leben gesehen, wie jemand ein Pferd mit Schlaufzügel ritt (ist auch im Westernreiten eher unüblich), aber in dem konkreten Fall, hat der Reiter in Millisekunden so blitzschnell nachgegeben, sobald das Pferd auch nur ansatzweise nachgegeben hat, dass ich beeindruckt war. Aber dennoch: Auch wenn der Schlaufzügel im Gegensatz zu anderen Hilfszügel den Vorteil hat, dass der Reiter nachgeben kann, denke ich auch, dass dieser verzichtbar ist. Was mich persönlich stört, ist diese Diskussion über Ausrüstungen, die in sozialen Medien an allen Ecken und Enden stattfindet:

In Ermangelung von einem Schlaufzügel-Foto: Dreieckszügel - nur am Boden 
und nur wenn das Pferd anders die Idee nicht versteht. Das Bild zeigt das
"Vorher" - nach zwei Wochen fiel der Groschen und der Hilfszügel kam weg.

Gut & böse in einer einfachen Lektion

  • Gebissreiter: böse; Gebisslosreiter: gut
  • Halsringreiter lieben ihr Pferd, Turnierreiter benutzen es als Sportgerät, weil: zwei Gebisse .. oder bei Westernreitern: Correction Bits (was beides ebenfalls nicht in Anfängerhände gehört)
  • Hilfszügel: böse; auseinander gefallene Pferde: gut

Bildung versus Rüstung

    Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen, aber macht keinen Sinn, weil ich Diskussionen über die Ausrüstung ziemlich verzichtbar finde. Statt Ausrüstung sollten wir über (Menschen-)Ausbildung reden, denn an der hapert es in der Regel. Heutzutage kaufen sich die Leute Pferde wie andere Leute Hunde, aber bei Hunden ist ab einer gewissen Größe zumindest ein Sachkundenachweis Pflicht. Auch Hundetrainer müssen erst mal die Schulbank drücken, bevor sie sich so nennen dürfen. Wenn man jetzt überlegt, wie viel so ein Pferd wiegt und wie wenig ein Hund, dann gerät man schon ins Grübeln: besonders, wenn man bedenkt, dass ein Pferd ein Fluchttier ist, bei dem man nicht mal eben die Hundeleine festhält. Apropos Hundeleine: Das ist ja eigentlich auch ein Zwangsmittel. Der Hund möchte lieber im Wald Rehe jagen und durch die Leine ist der arme Kerl seiner Freiheit beraubt (Ironie aus). Jetzt ist mir kein Fall bekannt, wo durch eine Hundeleine ein Hund verletzt wurde. Bei Pferden sieht das ganz anders aus:
    • Es gibt Pferde mit Gurtzwang (eine Folge falscher Anwendung): Schaffen wir deswegen die Gurte ab? 
    • Oder Sättel: sollten wir sie abschaffen, weil es ja Pferde mit Satteldruck gibt? Ohne Sattel reiten ist auch keine Alternative, denn da wird das Reitergewicht nicht verteilt. Was tun? Aufhören zu reiten oder passende Sättel kaufen?
    • Gebisse müssen sowieso weg, weil nicht nur böse, sondern so richtig böse: Da haben wir doch alle mal das Bild dieser durchtrennten Zunge gesehen ...
    Doch wenn wir wirklich ehrlich sind, so hat eigentlich nicht ein einziges Mal der Ausrüstungsgegenstand das Übel bewirkt, denn ich kann einen Menschen auch mit einem Haushaltsmesser erstechen, ja sogar mit dem Kerzenständer erschlagen. Es geht doch immer um den sach- und fachgerechen Gebrauch - und genau daran hapert es zuweilen in der Pferdewelt: Zu vielen fehlt der Wille zur Ausbildung: Trainern wie Pferdebesitzern.

    Und wenn wir jede Menge Ausbildung haben, können wir in der Tat jedes Werkzeug benutzen. Ob mit oder ohne Schlaufe: Der Reiter muss lernen, die Zügel zu halten und nicht daran zu ziehen: Problem gelöst.

    Jetzt ist ein Pferd beim Einsatz der Fußlonge gestorben und man sollte meinen, dass jetzt die Methoden hinterfragt werden: Das WIE oder vielleicht: Wenn schon Fußlonge, dann nicht zeitgleich auch noch Zug am Zügel nach  hinten. Aber - ihr habt es sicher erraten: Es beginnt eine Diskussion um die Ausrüstung, z.B. in diesem Kommentar in der Online-Ausgabe der Dressurstudien, in dem die Fußlonge sogar als Schlaufzügel der Freizeitreiter bezeichnet wird:


    Link zum Pfister Buch: Natürliche Partnerschaft mit Pferden
    Zum Einen ist es ja ein Unterschied, ob ein Werkzeug im empfindlichen Pferdemaul angewandt wird oder am Pferdebein und zum Anderen könne man ja auch überlegen, ob man nicht besser den nach hinten einwirkenden Zügel weglassen könnte, denn wie das Video unterhalb beweist ist genau der nämlich die Ursache dafür, dass das Pferd gestiegen ist und sich überschlagen hat (Das Video zeigt dieselbe Problematik OHNE Fußlonge).
    Bevor man die Fußlonge an sich verteufelt (die bei ausreichender Vorbereitung ja durchaus von Pferden toleriert wird), könnte man ja auch sagen: "Okay in so einem Fall mache ich die Fußlonge ab, sobald ein Pferd sich wehrt, auch auf die Gefahr hin, dass man etwas falsch konditioniert. Aber es könnte ja auch sein, dass das Pferd es mir dankt und sich genau deswegen künftig noch mehr Mühe gibt, mir zu gefallen, eben weil ich sein "Nein" nicht übergangen bin. Das Pferd dankt es mir vielleicht genau deswegen, weil es vielleicht eben nicht das Problem des Nicht-Wollens, sondern das Problem des Nicht-Könnens ist". Oder man kommt zu dem Schluss, dass ein Kompliment nicht in einem Wochendkurs zu lehren ist; das ist der fliegende Galoppwechsel ja auch nicht.

    Papier ist geduldig 


    Im Bild links seht ihr einen Ausschnitt aus einem Buch von Peter Pfister, wo er auf Seite 63 genau das selbst auch fordert. Warum verstößt er gegen seine eigenen Regeln? Ich darf diesen Ausschnitt übrigens nach § 51 UrhG hier ablichten, denn es erfüllt eine Belegfunktion - dieser Hinweis, weil uns der Pepper-Verlag erfolglos verklagt hat (Diese kursive Passage ist im Buch nicht erschienen - unterhalb des Videos geht es weiter im Originaltext)




    Es geht also nicht um die Fußlonge, sondern um das Feingefühl, mit dem sie angewendet werden sollte und das gilt für jeden Ausrüstungsgegenstand, mit dem wir unseren Pferden ja helfen und die Fußlonge - fachgerecht angewendet - hilft dem Pferd ja auch: Es ist eine Stütze und es hilft dem Pferd beim Ausbalancieren.

    Und sie hilft auch dem Menschen, denn wo ich beim Pony noch ganz gut mit der Hand beim Balancieren helfen kann, so ist das beim Shirehorse eine ganz andere Sache. Auch der Verzicht des um-den-Bauch-legens, weil die Gefahr des Flaschenzug-Effektes droht, ist eine Überlegung wert. Denn wenn ein Pferd das Gewicht in die Beinlonge legt, dann ist auch zu bedenken, dass die Anwendung ja auch rückenschonend für den Menschen sein muss.

    Die Fußlonge ist so gesehen dann genau so ein verlängerter Arm wie eine Gerte, die man ja auch zur Bestrafung oder zur Kommunikation einsetzen kann.

    Sollen eigentlich jetzt all Reiter ihre Gerten wegwerfen, weil einige wenige diese zur Bestrafung mißbrauchen?

    Im Link oben behauptet Claudia Sanders, Chefredakteurin der Dressurstudien sogar, dass es bei Zirkuslektionen gar nicht darauf ankäme, WIE so ein Kompliment ist bzw. es müsse ihrer Meinung nach nicht punktgenau sein. Doch sie irrt, denn nur ein hohes Kompliment ist ein gutes Kompliment und ein schlechtes Kompliment schadet dem Pferd.

    --- ENDE DES KAPITELS IM BUCH ---

    Lest auch meine Antwort auf einen Podcast der Dressurstudien, wo Claudia Sanders mit den sinngemäßen Worten "eine Bloggerin, die nicht weiß, ob sie Trainerin oder Journalistin sein will" explizit meine Person angreift, auch wenn sie keine Namen nennt.


    Zum Thema Wie-man-es-nicht-macht wird es in Kürze ein weiteres Video von uns auf Youtube geben - zu finden in der Playlist: Wir testen den Wiemers-Weg.

    NACHTRAG: Anzumerken ist auch, dass Fußlonge nicht gleich Fußlonge ist. Die von Pfister ist zu dünn und im WDR-Beitrag habe ich prompt das nachgemacht, wie ich es im Pfister-Video gesehen habe. Selbst Negativ-Videos zeigen also Vorbildfunktion. Daraufhin habe ich folgendes Kurzkapitel ins Buch genommen:

    Bloß keine herkömmliche Longe als Beinlonge missbrauchen
    
    
    
    
    
    Unser 1. Youtube-Sponsoring: Unterhalb der Buchwerbung ist ein Link,
    mehr Infos. Bestellen kann man bei www.wiemers.at/beinlongen/
    In einer E-Mail erhielt ich diese konstruktive Kritik. "Grundsätzlich möchte ich noch etwas sagen: Ihr Beitrag im WDR (Playlist mit allen WDR-Berichtenwar ansprechend, allerdings gab es einen Kardinalfehler: Ihre Beinlonge war keine Beinlonge, sondern wahrscheinlich eine umfunktionierte Longe! Das ist ein absolutes NOGO! Die Beinlonge muss mindestens 4 cm breit und vor allem auch glatt sein Sie soll auf dem Pferdefell gleiten können, auch im Winter auf dem Winterfell. Wir benutzen ein Material, wie man es von Spanngurten aus dem Transportwesen kennt. NIEMALS darf eine Longe verwendet werden, sie schneidet ja ein. Das Pferd soll aber getragen werden (...) Macht man es richtig, dann fühlen die Pferde sich wohl und geborgen, sie sind dankbar für die Balancierhilfe, die sie durch die Beinlonge erleben! Nicht vergessen, dass man die Schlaufe selbst bildet und den Pferdehuf nicht in die genähte Schlaufe zwängt.“ 

    Festzuhalten ist, dass sich Besitzerin und Reitbeteiligung vom Zirkuskurs ja Gymnastizierung gewünscht hatten (aus ihrer Sicht: kein Kompliment, was Pfisters Idee war). Doch gerade das Kompliment gymnastiziert das Pferd, aber nur dann, wenn es richtig gemacht wird. Zirkuslektionen sind eben nicht nur Spiel und Spaß, sie gymnastizieren und helfen dem Pferd z.B. beim Reiten den Rücken besser wölben zu können oder leicht in der Schulter zu werden. Zirkuslektionen sind eine Art Yoga für Pferde und wenn man sich entsprechend Zeit für die Dehnung nimmt, so machen diese allen Pferden Spaß - zumindest ist das meine Erfahrung mit eigenen und Kundenpferden. Im Buch erklärt dies Eva Wiemers auf über 20 Seiten des Buches.

    Last but not least die Werbung für die Bücher, die ich bisher geschrieben habe. Mein Buch sollte ursprünglich "Gespräche mit Peter Pfister" heißen, hat aber jetzt einen anderen Titel bekommen, weil so viele andere Leute zu Wort kommen, z.B. erklärt Nile Pils von der Equinale, warum die Pfister-Doku dann doch nicht gezeigt wurde, Eva Wiemers erklärt auf 20 Seiten den pferdegerechten Umgang mit der Beinlonge und es gibt eine Satire über das Verhalten der Presse (HORSEMAN & MEIN PFERD), denn die haben offenbar die ganze Wahrheit gewusst, diese zur Halbwahrheit erklärt und dem Leser (anscheinend bewusst) unterschlagen, wie oft Evita gestiegen ist. Meine Empfehlung: Man schenke dem Horseman einen Rechenschieber - und einen Duden dazu.

    Eine Vorausschau aufs Buch findet ihr HIER.




    Auf Youtube testen wir die gesponsorte Beinlonge und die Videos von Eva Wiemers, die man hier ansehen kann: www.wiemers.at/filme-1/ Die ersten beiden sind umsonst und die käuflich Erwerbbaren sind etwa eine Stunde lang, sieben an der Zahl. Die Testfrage ist:
    Kann ich einem Pferd anhand von Videos auf pferdegerechte Art das Liegen beibringen. Die Reihe "Wir TESTEN Wiemers Videos" läuft in unserem Natural Horsemanship-Kanal, aber wir haben noch zwei "kleine" 12oaksTV-Kanäle.

    Vor einigen Wochen hatte ich Euch gebeten, diese zu abonnieren und es hat geholfen: Alle drei Kanäle haben jetzt 1.000 Abonnenten beisammen. Wir danken für Eure Hilfe - manche haben extra für uns einen Google-Account erstellt, wow ... vielen, lieben Dank.










    Auf Youtube werden nämlich nur noch Kanäle monetarisiert, die mehr als 1.000 Abonnenten und 4.000 Stunden Watchtime haben. Unser "großer" Horsemanship-Kanal erfüllt beide Kriterien - dem Zirkus-Vlog-Kanal fehlen "nur" noch 500 Stunden Wiedergabezeit. Vor ein paar Wochen waren es noch fast 1.000 fehlende Stunden. Danke also an alle, die fleißig folgende 15-Stunden-Playlist über Nacht ohne Ton habt laufen lassen. Ich habe übrigens nach langer Zeit mal wieder zwei Reacts zu den VOX-Pferdeprofis veröffentlicht - wenn 2.500 Leute das Erste anschauen, dann haben wir es nach Adam Riese geschafft:



    Richtig schwer hat es unser Turnierkanal, der hat gerade mal ein Drittel der erforderlichen Wiedergabezeit. Dafür ist die Playlist, die ihr gerne im Hintergrund laufen lassen könnt, aber mehr als doppelt. Damit auch dieser dritte Kanal von 12oaksTV wächst und gedeiht, wird es dort demnächst auch kommentierte Turniervideos geben - sobald Larissa ihre Vorabi-Klausuren geschrieben hat.



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